Mit dem 18. Geburtstag endet der Unterhaltsanspruch eines Kindes nicht automatisch. Ich zeige, wann volljährige Kinder weiterhin Unterstützung verlangen können, wie der Bedarf 2026 berechnet wird, welche Rolle Kindergeld und eigenes Einkommen spielen und wie sich der Anspruch praktisch durchsetzen lässt.
Die entscheidenden Regeln auf einen Blick
- Volljährigkeit beendet den Unterhalt nicht, solange das Kind bedürftig ist und eine angemessene Ausbildung absolviert.
- Ab 18 sind grundsätzlich beide Eltern barunterhaltspflichtig, und zwar anteilig nach ihren finanziellen Möglichkeiten.
- Für ein volljähriges Kind im elterlichen Haushalt beträgt der Bedarf 2026 in der ersten Einkommensgruppe 698 Euro monatlich.
- Bei einem auswärts wohnenden Studierenden gelten in der Regel 990 Euro Bedarf, jeweils vor Anrechnung von Kindergeld und eigenem Einkommen.
- Das Kindergeld von 259 Euro im Monat wird bei Volljährigen vollständig auf den Unterhaltsbedarf angerechnet.

Was sich mit dem 18. Geburtstag rechtlich ändert
Beim Kindesunterhalt ab 18 verschiebt sich die rechtliche Verantwortung deutlich. Das volljährige Kind muss seinen Anspruch grundsätzlich selbst geltend machen und beiden Eltern Auskunft über Ausbildung, Einkommen und finanzielle Unterstützung geben.
Anders als bei Minderjährigen leisten nicht mehr nur getrenntlebende Elternteile Geldunterhalt. Beide Eltern haften anteilig nach ihren bereinigten Einkommen. Der Elternteil, bei dem das Kind wohnt, erfüllt seine Pflicht also nicht automatisch allein durch Betreuung und Verpflegung.
Eine wichtige Ausnahme betrifft unverheiratete Kinder bis zum 21. Geburtstag, die noch im Haushalt eines Elternteils leben und eine allgemeine Schule besuchen. Diese sogenannten privilegierten Volljährigen werden beim Rang und beim Selbstbehalt ähnlich behandelt wie minderjährige Kinder.
Der Anspruch bleibt aber immer an zwei Bedingungen geknüpft. Das Kind muss bedürftig sein und darf sich nicht selbst unterhalten können. Außerdem muss die Ausbildung zielstrebig und angemessen sein. Ein Anspruch auf dauerhafte Finanzierung ohne erkennbare Ausbildungsbemühungen besteht nicht.
Wann weiterhin Unterhalt verlangt werden kann
Typisch ist der Anspruch während einer ersten Berufsausbildung oder eines Erststudiums. Dazu zählen auch schulische Ausbildungen, ein duales Studium und in geeigneten Fällen eine notwendige Orientierungsphase zwischen Schule und Ausbildung.
Ausbildung und Studium
Eltern müssen grundsätzlich eine einheitliche berufliche Ausbildung finanzieren. Wechselt das Kind nach einer kurzen Orientierungsphase von einer Ausbildung in ein fachlich passendes Studium, kann der Anspruch fortbestehen. Häufige Abbrüche, lange Verzögerungen oder ein Fachwechsel ohne nachvollziehbaren Grund können den Anspruch dagegen schwächen.
Ich rate deshalb dazu, Ausbildungsnachweise nicht erst auf Nachfrage vorzulegen. Eine Immatrikulationsbescheinigung, der Ausbildungsvertrag oder aktuelle Leistungsnachweise schaffen Klarheit und verhindern, dass die Zahlungen wegen fehlender Informationen ins Stocken geraten.
Übergangszeiten und Arbeitssuche
Eine kurze Übergangszeit zwischen Schulabschluss und Ausbildungs- oder Studienbeginn wird nicht automatisch zum Problem. Beim Kindergeld gilt eine Übergangszeit von bis zu vier Monaten als besonders klarer Fall. Für den Unterhalt kommt es zusätzlich darauf an, ob das Kind seine Ausbildung ernsthaft vorbereitet und sich um einen Platz bemüht.
Wer nach der Schule weder eine Ausbildung beginnt noch Bewerbungen nachweisen kann, riskiert den Anspruch. Bei einer Arbeitslosigkeit muss das Kind seine Situation aktiv verbessern und darf sich nicht dauerhaft auf der Unterstützung der Eltern ausruhen.
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Wann der Anspruch endet
Mit dem ersten berufsqualifizierenden Abschluss endet die elterliche Pflicht nicht in jedem Fall sofort, sie wird aber deutlich enger. Ein anschließendes Studium muss in der Regel fachlich und zeitlich zur vorherigen Ausbildung passen. Ein unbegrenztes Ansammeln von Abschlüssen müssen Eltern nicht finanzieren.
Auch eigenes Einkommen, Ausbildungsvergütung, BAföG, Stipendien und verwertbares Vermögen können den Bedarf reduzieren. Bei einer betrieblichen Ausbildung wird die Vergütung meist nach Abzug ausbildungsbedingter Kosten berücksichtigt. Häufig wird dafür eine Pauschale von etwa 100 Euro angesetzt, die genaue Berechnung hängt jedoch vom Einzelfall ab.
Wie hoch der Unterhalt 2026 ausfallen kann
Die Düsseldorfer Tabelle dient als wichtige Orientierung, ist aber kein Gesetz. Für ein volljähriges Kind, das bei einem Elternteil oder beiden Eltern lebt, wird die vierte Altersstufe verwendet.
| Situation | Bedarf 2026 | Nach Abzug von 259 Euro Kindergeld |
|---|---|---|
| Volljähriges Kind im elterlichen Haushalt, erste Einkommensgruppe | 698 Euro | 439 Euro |
| Volljähriges Kind im elterlichen Haushalt, Einkommen der Eltern 3.301 bis 3.700 Euro | 838 Euro | 579 Euro |
| Studierendes Kind mit eigenem Haushalt | 990 Euro | 731 Euro |
Bei getrenntlebenden Eltern wird nicht einfach der Tabellenbetrag halbiert. Zuerst wird das bereinigte Nettoeinkommen beider Eltern festgestellt. Danach wird der verbleibende Bedarf im Verhältnis ihrer Einkommen verteilt.
Ein Beispiel macht das greifbar. Beträgt der Bedarf eines zu Hause lebenden Volljährigen 698 Euro und steht ihm 259 Euro Kindergeld zu, bleiben 439 Euro ungedeckt. Verdient die Mutter 40 Prozent und der Vater 60 Prozent des anrechenbaren Gesamteinkommens, würden sich die Beiträge grob auf 175,60 Euro und 263,40 Euro verteilen. Weitere Unterhaltspflichten oder besondere Belastungen können das Ergebnis verändern.
Beim auswärts wohnenden Studenten sind im Regelsatz von 990 Euro bis zu 440 Euro für Warmmiete enthalten. Kranken- und Pflegeversicherung sowie Studiengebühren sind darin nicht automatisch enthalten und können zusätzlich berücksichtigt werden.
Welche Rolle Kindergeld, BAföG und eigenes Einkommen spielen
Das Kindergeld wird bei einem volljährigen Kind grundsätzlich in voller Höhe auf den Bedarf angerechnet. Es ist nicht mehr nur zur Hälfte abzuziehen, weil ab 18 beide Eltern grundsätzlich durch Geldleistungen beitragen.
Das Kindergeld beträgt 2026 259 Euro monatlich. Es kann bis zum 25. Geburtstag weiterlaufen, wenn das Kind eine erste Ausbildung oder ein Studium absolviert. Die Bundesagentur für Arbeit verlangt dafür aktuelle Nachweise, etwa eine Studienbescheinigung oder einen Ausbildungsvertrag.BAföG und Ausbildungsvergütung mindern den Unterhaltsbedarf, soweit sie tatsächlich zur Verfügung stehen. Bei einem Studenten mit 990 Euro Bedarf und 259 Euro Kindergeld bleiben zunächst 731 Euro. Erhält er zusätzlich 300 Euro anrechenbares BAföG, sinkt der offene Bedarf rechnerisch auf 431 Euro.
Mein praktischer Rat ist, Kindergeld und Unterhalt nicht getrennt zu betrachten. Entscheidend ist immer der ungedeckte Gesamtbedarf. Wer nur den Tabellenbetrag nennt, ohne Kindergeld und eigene Einnahmen einzubeziehen, kommt schnell zu einer falschen Forderung.
Wie der Anspruch richtig geltend gemacht wird
Ab Volljährigkeit sollte das Kind selbst schriftlich Unterhalt verlangen. Die Erklärung sollte den Ausbildungsweg, den gewünschten Beginn der Zahlung und eine angemessene Frist enthalten. Gleichzeitig sollte es von beiden Eltern Auskunft über Einkommen und relevante Belastungen verlangen.
- Ausbildung nachweisen, etwa durch Immatrikulationsbescheinigung oder Ausbildungsvertrag.
- Eigenes Einkommen offenlegen, einschließlich Ausbildungsvergütung, BAföG und Stipendien.
- Unterlagen beider Eltern anfordern, meist Gehaltsabrechnungen und Steuerbescheide.
- Bedarf berechnen und Kindergeld sowie weitere Einnahmen abziehen.
- Schriftliche Vereinbarung treffen oder bei Streit anwaltliche Hilfe und das Familiengericht einschalten.
Ein alter Unterhaltstitel sollte nach dem 18. Geburtstag geprüft werden. Er kann zwar weiter Bedeutung haben, bildet aber nicht zwangsläufig den aktuellen Bedarf und die neue Haftungsverteilung ab. Einfach eigenmächtig weniger zu zahlen, ist riskant, wenn ein vollstreckbarer Titel besteht.
Das Jugendamt kann bei Volljährigen nicht mehr in derselben Weise als Beistand auftreten wie bei Minderjährigen. Auch der Unterhaltsvorschuss endet grundsätzlich mit dem 18. Geburtstag. Bei geringem Einkommen kommen je nach Situation BAföG, Bürgergeld, Wohngeld oder Beratungshilfe als weitere Unterstützungen infrage.
Welche Grenzen Eltern und Kinder kennen sollten
Eltern dürfen ihre eigene wirtschaftliche Existenz nicht vollständig gefährden. Gegenüber nicht privilegierten volljährigen Kindern liegt der angemessene Selbstbehalt nach den Leitlinien 2026 grundsätzlich bei mindestens 1.750 Euro monatlich. Bei privilegierten Volljährigen gelten niedrigere Selbstbehalte von 1.200 Euro für nicht Erwerbstätige und 1.450 Euro für Erwerbstätige.
Umgekehrt muss das Kind seine Möglichkeiten nutzen. Dazu gehören regelmäßige Bewerbungen, ein ernsthaft betriebenes Studium und die rechtzeitige Information über Änderungen. Wer eine Ausbildung abbricht, sich nicht zurückmeldet oder monatelang keine Nachweise liefert, kann seinen Anspruch zumindest vorübergehend verlieren.
Besonders problematisch sind mündliche Absprachen wie „Wir regeln das später“. Ich würde Zahlungen, Nachweise und Änderungen immer kurz schriftlich festhalten. Das schützt beide Seiten und ist im Streitfall deutlich hilfreicher als Erinnerungen an frühere Gespräche.
Mit einer sauberen Berechnung lässt sich viel Streit vermeiden
Für die meisten Familien sind drei Zahlen der richtige Ausgangspunkt: der Bedarf nach der Düsseldorfer Tabelle oder der Satz von 990 Euro bei auswärtigem Studium, das Kindergeld von 259 Euro und sämtliche eigenen Einnahmen des Kindes. Erst danach wird der verbleibende Betrag auf beide Eltern verteilt.
Wer die Ausbildung konsequent nachweist und die Einkommen vollständig offenlegt, schafft die beste Grundlage für eine faire Lösung. Bei hohen Einkommen, mehreren unterhaltsberechtigten Kindern, Auslandsaufenthalten oder Streit über die Ausbildungswahl sollte die Berechnung fachlich geprüft werden, bevor Zahlungen eingestellt oder Forderungen gestellt werden.
